Wilde Senfrauke
(Eruca vesicaria (L.) Cav. subsp. vesicaria)
(Eruca vesicaria (L.) Cav. subsp. vesicaria)
Seit etlichen Jahren gehört „Rucola“ in vielen Ländern zu den beliebtesten Salatpflanzen. Dabei unterscheiden sich je nach Herkunft die Blätter mitunter deutlich voneinander und auch das Aroma kann recht unterschiedlich ausfallen – von sehr mild bis richtig scharf. Der Grund für diese Bandbreite liegt darin, dass die allgemein als Rauke bezeichnete Pflanze heute in vielen Sorten kultiviert wird (auch wenn diese Züchtungen meist keine eigenen Namen haben). Zudem wird das Aroma dieser Pflanzen von Standortfaktoren und Erntezeit beeinflusst. Das trifft sowohl auf die Wildarten als auch auf die Gartenformen zu.
Rauke oder Rucola?
Nicht selten ist mit „Rauke“ und „Rucola“ dasselbe gemeint: scharf-bitter schmeckende Kreuzblütler, deren kresse- oder senfartiges Aroma sie zu interessanten Nutzpflanzen macht. Bei genauerer Betrachtung lassen sich aber einige Wildarten unterscheiden, deren Erbgut letztlich auch in den jeweiligen Züchtungen steckt. Die Tatsache, dass diese Wildarten von Botanikern in der Vergangenheit häufig sehr unterschiedlich benannt wurden, hat zu einer großen Zahl von Mehrfachbenennungen (Synonyme) geführt, was die Übersicht heute nicht gerade erleichtert.
Wenn wir uns das genauer anschauen, was heute als „Rucola“, „Roca“ etc. verwendet wird, geht es im Wesentlichen um zwei Arten:
- Senfrauke oder Ölrauke, botanisch die Gattung Eruca, mit zwei Unterarten:
- Gartenrauke oder Garten-Senfrauke, in der botanischen Benennung Eruca vesicaria subsp. sativa, von manchen Autoren auch Eruca sativa genannt, und
- Wilde Senfrauke, botanisch Eruca vesicaria subsp. vesicaria
- Schmalblättriger Doppelsame, Wilde Rauke oder Stinkrauke, botanisch Diplotaxis tenuifolia (wobei auch hier manchmal zwei Unterarten unterschieden werden).
Diese beiden Arten lassen sich über einige Merkmale in der Regel gut unterscheiden:
Die Pflanzen der Gattung Eruca sind ein- bis zweijährig, haben helle Blüten (weißlich, cremefarben bis gelblich) mit violetten Adern und breitere Blätter, im Geschmack meist eher mild.
Die Pflanzen der Gattung Diplotaxis sind zweijährig bis mehrjährig, haben gelbe Blüten und sehr schmal fiederteilige Blätter, im Geschmack oft sehr scharf.
An weiteren Verwechslungsmöglichkeiten interessiert?
Die allgemein verbreitete Bezeichnung „Rucola“ ist im Grunde lediglich der italienische Name für verschiedene intensiv schmeckende, senfölhaltige Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).
Im Übrigen gibt es in dieser Familie noch viele andere Arten, die aufgrund gleicher oder ähnlicher Inhaltsstoffe ebenfalls als würzige Wildkräuter genutzt werden. Zu diesen gehören etwa Weg-Rauke (Sisymbrium officinale), Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), Weißer Senf (Sinapis alba), Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale), Echtes Barbarakraut (Barbarea vulgaris), Orientalisches Zackenschötchen oder Türkische Raute (Bunias orientalis). Auch im Meerrettich (Armoracia rusticana) sowie in den verschiedenen Kohl-Arten (Gattung: Brassica) – ebenfalls Kreuzblütengewächse – finden wir solche Inhaltsstoffe.
Im Folgenden wollen wir uns aber auf eine Pflanzenart konzentrieren, die insbesondere auch auf der Peloponnes weit verbreitet ist: die Wilde Senfrauke, botanisch Eruca vesicaria subsp. vesicaria.
Um (sprachliche) Verwechslungen insbesondere mit ähnlichen Kreuzblütlern wie Doppelsamen (Diplotaxis) und Rauke (Sisymbrium) zu vermeiden, sollte man bei Eruca am besten stets von Senfrauke sprechen. Ein wärmeliebender Vagabund
Ursprünglich aus Südwest-Asien stammend ist die Wilde Senfrauke heute in ganz Süd- und Mitteleuropa weit verbreitet. Auf Agrarland und Brachland, in Weinbergen und Gärten gedeiht sie von küstennahen Gebieten bis in Höhen von etwa 900 m NN. Dabei bevorzugt sie zwar nährstoffreiche Sand- oder Lehmböden, ist im Grunde aber nicht besonders anspruchsvoll. Vollsonnige Plätze sind ihr jedoch stets am liebsten.
Als einjährige Pflanze benötigt sie natürlich jedes Jahr entsprechend günstige Keimbedingungen. Das heißt, sie kann sich besonders gut auf Flächen ausbreiten, die regelmäßig gemäht und gegen Verbuschung frei gehalten werden. Daher ist die Wilde Senfrauke auch häufig großflächig in Olivenhainen zu finden. Dort befindet sie sich zwar im „Wanderschatten“ der Ölbäume, aber die stehen schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht allzu eng nebeneinander und werden zudem regelmäßig zurück- und ausgeschnitten.
Äußere Merkmale der Pflanze – eine kleine Bestimmungshilfe
Die aufrecht wachsende und meist verzweigte krautige Pflanze hat Blätter in zwei Formen: Während die grundständigen Laubblätter gestielt und meist leierförmig-fiederteilig sind, sind die Stängelblätter deutlich kleiner, sitzend bis höchstens kurz gestielt, einfach und gezähnt oder fiederteilig.
In einem traubigen Blütenstand befinden sich zwittrige Blüten – vierzählig, wie für alle Kreuzblütler typisch: Jede Blüte hat vier Kronblätter. Diese Kronblätter sind hier breit verkehrt-eiförmig, cremefarben bis gelb mit dunkelbraunen bis purpurfarbenen Adern. Die Blütezeit reicht von Februar bis zum Juni, für die Bestäubung sorgen viele verschiedene Insektenarten, überwiegend Bienen und Fliegen.
Nach der Bestäubung entwickeln sind längliche, im Querschnitt runde bis vierkantige Schoten. Darin kleine kugelige bis eiförmige Samen, die in zwei Reihen angeordnet sind.
Eine bereits in der Antike geschätzte Nutzpflanze
Rauken waren bereits in römischer Zeit im Mittelmeerraum ein wertvolles Nahrungsmittel und wurden auch als Aphrodisiakum betrachtet. Um welche Arten es sich dabei genau gehandelt hat, lässt sich heute nicht mit Bestimmtheit sagen, aber wahrscheinlich ging es um beide Formen der Senfrauke: die Garten-Senfrauke wie die Wilde Senfrauke. Später wurde vermehrt die Garten-Senfrauke als „Salatrauke“ kultiviert. Diese Form hat breitere Blätter und ein milderes Aroma als die Wilde Senfrauke.
Beide Unterarten der Senfrauke haben einen hohen Gehalt an wertvollen gesundheitsfördernden Senfölen, die eben auch für den würzigen Geschmack der Pflanze sorgen. Carotin, Vitamin C, Folsäure, Eisen, Kalzium und Kalium sind ebenfalls enthalten.
Ein Tipp für die Wildpflanzenküche heute
In Südfrankreich nennt man eine Mischung auch mesclun. Dieser Begriff findet sich auch in einschlägigen Kochbüchern: der „salade de mesclun“, ein Klassiker unter den Salatrezepten, meint zunächst eine Mischung junger Pflücksalatblätter. Das lässt sich aber vielfältig variieren und bereichern, so wie etwa im folgenden Rezept:
Mesclun-Salat mit Blüten
200 Gramm gemischter Blattsalat, 50 Gramm Löwenzahn, 1 Bund Rucola, 1-2 Bund Bärlauch, einige Zweige Kerbel und glattblättrige Petersilie, Löwenzahn- und Gänseblümchenblüten. Vinaigrette: 1-2 Esslöffel gelbe Senfkörner, 1 Teelöffel Rosmarinhonig, 3-4 Esslöffel Zitronenessig, 5-6 Esslöffel Olivenöl, Salz, Pfeffer.
Salatblätter und Wildkräuter waschen und in mundgerechte Stücke zupfen. Mit den Kräuterblättchen in eine große Schüssel geben. Für die Vinaigrette die Senfkörner in einer Pfanne trocken rösten bis sie aufspringen. Auskühlen lassen. Die restlichen Zutaten glattrühren. Mit den Senfkörnern über den Salat geben. Locker mischen und sofort servieren.
Guten Appetit!
Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.