Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera (L.) Vent.)
Der Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera (L.) Vent.), um den es hier geht, gehört wohl nicht zu den bedeutendsten Gehölzen des Mittelmeerraums, aber wer ihm insbesondere zur Zeit der Fruchtreife begegnet, dürfte von der Attraktivität dieses Baums eingenommen sein.
Ein Gehölz für Kenner
Obwohl dieser Baum ziemlich anspruchslos ist, verhältnismäßig rasch wächst und sich unter günstigen Bedingungen sogar leicht bis invasiv ausbreiten kann, finden wir Wildbestände auch auf der Peloponnes eher selten.
Besonders gut gedeiht die Pflanze auf ganzjährig leicht feuchten, aber sandig-durchlässigen Böden in sonniger Lage. Wegen seiner originellen Früchte wird dieser Baum heute in Südeuropa und klimatisch günstigen Lagen Mitteleuropas in Garten- und Parkanlagen manchmal als Ziergehölz gepflanzt. Dort wird er gelegentlich bis über 15 Meter hoch. In der Regel bleibt er aber deutlich kleiner, und aufgrund der Selbstaussaat können seine Sämlinge kleine Baumgruppen bilden.
Außerhalb von Anpflanzungen finden wir das Gehölz auf Agrarland und Brachland sowie in lichten Wäldern, bis in Höhenlagen von etwa bis 1 500 m NN.
Wie auch einige äußere Merkmale zeigen, gehört der Papiermaulbeerbaum zur Familie der Maulbeergewächse (Moraceae), eine Pflanzenfamilie mit etlichen eindrucksvollen und teilweise auch wirtschaftlich wichtigen Pflanzen wie Feigen, Brotfruchtbäumen, Maulbeeren und anderen. Die Gattung Broussonetia umfasst weltweit allerdings je nach Autor nur fünf bis acht verschiedene Arten, deren Heimat in Südostasien und Madagaskar liegt.
Verwandlungskünstler
Wenn die sommergrünen, zweihäusig getrenntgeschlechtigen (diözischen) Papiermaulbeerbäume im Frühjahr austreiben und zu blühen beginnen, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern:
An den männlichen Bäumen hängen längliche Blütenkätzchen in violett-grün-bräunlicher Farbe, während die weiblichen Bäume vielblütige, kompakte und kugelige Blütenstände von etwa 1,5-2 Zentimeter Durchmesser tragen. Bei diesen Kugeln ragen aus den kleinen, röhrenförmigen Einzelblüten fadenförmige, bis 2 Zentimeter lange Griffel, hellgrün oder rötlich bis violett. Die langen Griffel welken bald und fallen dann teilweise ab, sodass gegen Ende der Blütezeit kugelige, grüne und haarige Fruchtstände zurückbleiben.
Die Bestäubung der Blüten erfolgt vor allem durch den Wind (Anemophilie), aber auch Bienen und Hummeln, die den Baum als Nahrungsquelle nutzen, tragen dazu nicht unerheblich bei.
Der Stamm des Baums führt Milchsaft, seine Zweige und die Blattstiele sind flaumig behaart. Die Form der dunkelgrünen Laubblätter ist ziemlich variabel: Die Blattspreite ist teils einfach, teils unregelmäßig zwei- bis fünflappig, mit oft tiefen Einbuchtungen, 6-20 Zentimeter lang, 5-12 Zentimeter breit, und besonders unterseits filzig behaart.
Im Sommer reifen dann die im weiblichen Fruchtverband stehenden, hellorangen bis hellbraunen und bis etwa 4 Millimeter großen Samen (Achänen), wobei sie in die Spitzen der Blütenhüllen eingewachsen bleiben. Die Blütenhülle jeder einzelnen kleinen Blüte wächst dabei bis zum Spätsommer zu einem orangen bis roten, fleischigen Fruchtfleisch heran, und so entsteht insgesamt ein kugeliger, auffallend gefärbter Fruchtverband mit einem Durchmesser von etwa 3 Zentimetern. Das Innere dieser Kugel ist hart und ungenießbar, aber die äußeren, fleischigen Bestandteile sind essbar und leicht süß, wenn auch ziemlich geschmacklos.
Bemerkenswert bleibt das Gehölz bis zum Laubfall im Herbst: Die Blätter verfärben sich goldgelb und der ganze Baum zeigt sich als leuchtender Ball.
Wenig bekannte Nutzanwendungen
In Europa gibt es keine nennenswerte Nutzung dieser Pflanze, obwohl sich das hellgelbliche bis orangefarbene, leichte und weiche Holz für die Herstellung von Möbeln und anderem eignet.
Anders in Ostasien sowie auf vielen Südsee-Inseln: Dort wird aus der Borke des Baums der tradionelle „Tapa-Rindenbaststoff“ gefertigt, eine Textilart, die nicht durch Weben, sondern durch das Dünn- und Weichklopfen der Bastfasern hergestellt wird. Dieses Produkt wird sowohl als Papier für den Künstlerbedarf als auch zur Herstellung von Kleidern, Vorhängen, Decken etc. verwendet. Kostbares, originales Japanpapier besteht noch heute aus diesem Grundstoff, und in Japan wird der Papiermaulbeerbaum auch als Forstbaum kultiviert.
Anzumerken ist auch, dass blühende Papiermaulbeerbäume Pollenallergie verursachen können. Andererseits lässt sich die Art aber auch medizinisch nutzen: Die traditionelle chinesische Medizin setzt Blätter, Früchte und Borke unter anderem als Nieren- und Leberstärkungsmittel ein, außerdem gegen Schuppenflechte, Lungenleiden und Ödeme.
Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.