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Echter Hopfen (Humulus lupulus L.)

Von Babylon zum Bier

Der Echte Hopfen (Humulus lupulus L.) ist eine Pflanzenart, die auch allen Nicht-Botanikern bekannt sein dürfte, wenn auch nicht unbedingt als Pflanze… Jedenfalls handelt es sich um eine seit Jahrtausenden geschätzte Nutzpflanze, die in Österreich für 2026 übrigens zur Arzneipflanze des Jahres gekürt wurde.

Weit verbreitet und dennoch meist unauffällig

Von den weltweit je nach Autor sechs oder sieben Arten der Gattung Humulus findet sich der so genannte Echte Hopfen circumpolar auf der Nordhalbkugel in den gemäßigten und submediterranen Breiten. Er bevorzugt tiefgründige, grundwasserfeuchte bis nasse und insbesondere stickstoffreiche Böden in sonniger, luftiger Lage. Häufig sind das lichte Wälder und Gebüsche, wobei er in Höhen von bis 1 200 Meter vorkommen kann.

Wildvorkommen der Pflanze sind aber trotz ihrer großen Verbreitung nicht unbedingt leicht zu finden, denn allzu auffällig ist der Hopfen nicht. Man sucht am besten in Pflanzengesellschaften von Bruch- und Auewäldern wie Weichholz-Auenwald mit verschiedenen Weide-Arten und Weiß-Pappel, zwischen denen gerne auch Rohr-Glanzgras, Schilf, Drüsiges Springkraut und Bittersüßer Nachtschatten gedeihen.

Auf der Peloponnes wird man am ehesten in Flussniederungen fündig, zwischen Pfahlrohr und Blutweiderich, gelegentlich auch im undurchdringlichen Gewirr der Ranken der Mittelmeer- oder Heiligen Brombeere. Um neben diesen anderen, ebenfalls nicht gerade konkurrenzschwachen Arten bestehen zu können, nutzt der Hopfen zwei Ausbreitungsstrategien: zum einen über Samen, effektiver aber noch vegetativ mittels langer, unterirdischer Ausläufer.

Die vegetative Vermehrung wird insbesondere auch beim Anbau der Kultursorten genutzt, bei denen nur weibliche Pflanzen kultiviert und diese fast ausschließlich über Stecklinge („Fechser“) oder Wurzelstockteilung vermehrt werden.

Grünes im Grünen

Es gibt mehrere Gründe, weshalb der Hopfen im Gelände ein fast verstecktes Leben führt. Entscheidend ist sicherlich, dass diese zweihäusige (diözische) Pflanze keine auffälligen Blüten hervorbringt, sondern im Gegenteil alle Pflanzenteile fast gänzlich grün sind. Die männlichen Individuen bringen kleine, grünliche Blüten in unscheinbaren Rispen hervor, während die weiblichen Pflanzen erst zur Zeit der Fruchtreife kleine, eiförmige Fruchtstände mit gelblich-grünen Schuppen ausbilden, die so genannten „Hopfendolden“. In ihnen bilden sich bei Befruchtung (Windbestäubung) die etwa drei Millimeter großen Nussfrüchte.

Zur „Tarnung“ der Pflanze trägt auch ihr Wuchs bei: Aus einem dicken Wurzelstock (Rhizom) entspringen lange Triebe mit ankerartigen Kletterhaaren, die es verhältnismäßig rasch und unauffällig zwischen anderen Pflanzen und diese als Halt nutzend in Höhen von sechs bis acht Metern schaffen. Diese oberirdischen Triebe sind einjährig und sterben nach der Samenreife ab, während die Pflanze mithilfe ihres Rhizoms bis zu 50 Jahre alt werden kann. 

Eine botanische Besonderheit stellt die Drehrichtung der Sprosse dar. Während die meisten Winder linkswindend nach oben streben, gehören die Hopfenarten wie auch die Geißblätter (Lonicera spp.) zu den „Rechtswindern“.

Nützlichkeiten – Versprechen und Hoffnung

Der zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) gehörende Hopfen enthält interessante und sehr wirksame Inhaltsstoffe. Es sind im Wesentlichen zwei Bittersäuren, die auch die Verwendung der Pflanze in Medizin (sedierende Wirkung) und Brauerei erklären: Humulon und Lupulon, beides Abkömmlinge des sekundären Kohlenstoffwechsels der Pflanze.

Medizinisch wirkt Hopfen beruhigend und wird daher in Teemischungen und Fertigpräparaten als sanftes Schlafmittel verwendet. Darüber hinaus werden ihm appetitanregende und antibakterielle Eigenschaften nachgesagt und er soll auch Stoffe enthalten, die dem weiblichen Hormon Östrogen ähneln.

2002 wurde Xanthohumol als eine entzündungshemmende Substanz identifiziert, die im Stoffwechsel Radikale beseitigen und Enzyme, die in den Krebsentstehungsprozess eingebunden sind, umwandeln kann. Biertrinker sollten sich allerdings keinen Illusionen hingeben: Um eine krebspräventive Wirkung zu erzielen, müsste man täglich etwa 800 Liter Bier trinken.

Seit einigen Jahren werden regional die Spitzen der jungen Hopfentriebe auch als Gemüse genutzt. Sie können gebraten oder gedünstet werden und gelten als Delikatesse. Ebenso gibt es im Frühjahr mancherorts auch „Hopfenspargel“. Dabei handelt es sich um die noch weißen, frisch austreibenden Sprosse der Pflanze, die wie Spargel zubereitet werden können.

Hopfen dient auch in vielen alten Bibliotheken als Schutz vor Feuchtigkeit und Ungeziefer. Man legt Hopfendolden hinter den Büchern aus. Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit, und ihre ätherischen Öle halten Insekten fern. Die Dolden müssen allerdings alle paar Jahre ausgewechselt werden.

„Hopfen und Malz…“

In seiner Wildform wurde der Hopfen als aromatische Pflanze bereits von den Babyloniern und Ägyptern für die Bierbereitung geschätzt. Die frühesten Zeugnisse wie vor allem sumerische Keilschrifttafeln belegen den Handel mit Bierrationen, denn Bier war damals ein wichtiges Nahrungsmittel und oft sicherer zu trinken als verunreinigtes Wasser. So erhielten auch Arbeiter und Beamte zur Bezahlung tägliche Rationen an Brot und Bier.

Die bis etwa 5000 Jahre alten Tontafeln verraten jedoch wenig über die damalige Brautechnologie. Daher halten es manche Forscher auch für möglich, dass das in der Antike hochpopuläre Getränk kein Alkohol-haltiges Bier, sondern eine Art Getreidetrunk gewesen sein könnte, vergleichbar dem aus Osteuropa bekannten Brottrunk Kwas.

Sumerische Tontafel, 3100-3000 v.Chr.: Bier wird hier durch ein aufrecht stehendes, nach unten spitz zulaufendes Gefäß symbolisiert. Runde und halbrunde Markierungen in den rechteckigen Unterteilungen stellen zur Ausgabe bestimmte Bierrationen dar.
Bühnenbild der Münchner Uraufführung der Oper "Babylon" von Jörg Widmann im Jahr 2012.

Wie auch immer – die Möglichkeit, dass unser heutiges Bier auf Mesopotamiens Sumerer zurückgeht, hat schon viele Archäologen und Künstler, Schriftsteller und Lebensmitteltechnologen beschäftigt. So auch den Komponisten Jörg Widman, der der sumerischen Kultur in seiner großen Oper „Babylon“ ein Denkmal gesetzt hat. Dieses Werk, ein Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper, nach dem Libretto von Peter Sloterdijk und 2012 in München uraufgeführt, beschwört in faszinierender Weise eine Welt, die unsere Kultur weitaus stärker geprägt hat, als uns im Allgemeinen bewusst ist.

Was das Bierbrauen angeht, so sind die ältesten schriftlich belegten Quellen des Hopfenanbaus viel jünger. Sie stammen aus dem frühen Mittelalter, Mitte des 8. Jahrhunderts.

Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.