Rote Spornblume (Valeriana rubra L.)
Die Rote Spornblume (Valeriana rubra) ist eine sehr bekannte Blütenstaude, einerseits, weil sie im Mittelmeerraum weit verbreitet ist, andererseits, weil sie auch nördlich der Alpen vorkommt – als robuste und lange blühende Zierpflanze in vielen Gärten und Parks.
Spornblume oder Baldrian?
Die Rote Spornblume wurde bis vor wenigen Jahren als Sibthorps Spornblume, Centranthus sibthorpii Heldr. & Sartori, oder als Unterart des Roten Baldrian, Centranthus ruber (L.) DC., verstanden: Centranthus ruber subsp. sibthorpii (Heldr. & Sart. ex Boiss.) Hayek. Benennungen vor allem für die Bestände dieser Pflanze auf dem südlichen Balkan (Albanien, Griechenland und europäischer Teil der Türkei).
Heute werden gemäß WFO Plant List alle Arten der Gattung Centranthus, Spornblume, in die neu geordnete Gattung Valeriana, Baldrian, gestellt und entsprechend umbenannt. Die Gattung Baldrian umfasst damit heute weltweit 425 Arten und die Rote Spornblume heißt jetzt Valeriana rubra, Roter Baldrian.
Ökologisch wertvoll oder invasiv?
Es fällt auf, dass die Rote Spornblume – und ich will bei diesem Namen bleiben, da er allgemein bekannt ist und die Bezeichnung Roter Baldrian erst in jüngster Zeit und nur vereinzelt verwendet wird – an zusagenden Plätzen gerne größere Bestände bildet. Und das vermehrt auch nördlich der Alpen, wo die Art aus Gärten verwildern und sich in einem gewissen Umfang ausbreiten kann. Aber verglichen mit Pflanzen wie der Kanadischen Goldrute, dem Drüsigen bzw. Indischen Springkraut oder dem Sachalin-Staudenknöterich kann man bei der Spornblume kaum von einer invasiven Ausbreitung sprechen.
Da diese Pflanze in Mitteleuropa nicht heimisch ist, hat sie nördlich der Alpen einen geringeren ökologischen Gesamtwert, während sie in den Mittelmeerländern einen „Insektenmagneten“ darstellt, der zahlreichen verschiedenen Insekten als ergiebige Nektarquelle dient. Aber auch nördlich der Alpen sehen wir an den Blüten der Spornblume verschiedene Insekten, darunter vor allem das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum), eine nicht sehr wählerische Schmetterlingsart, die aber von Blütenfarben im Wellenlängenbereich von 440 Nanometer (zwischen Blau und Violett) stark angezogen wird.
Von Bedeutung ist dabei auch die lange Blütezeit zwischen April (in südlichen Lagen) und Oktober, mit einer Hauptblütezeit zwischen Mai und Juli/August.
Genügsam und ausdauernd
Was auch jenseits der mediterranen Heimat für die Rote Spornblume spricht, sind ihre geringen Ansprüche an Feuchtigkeit und Nährstoffgehalte des Bodens. Im Gegenteil: Zu feuchte und zu nahrhafte Böden mag die Pflanze gar nicht, und so finden wir sie häufig an felsigen Hängen und auf steinigen Wegrändern, in Schluchten und Mauerspalten, überwiegend auf Kalkgestein und in Höhenlagen bis etwa 1300 Meter NN.
Diese Genügsamkeit, verbunden mit einer attraktiven Blüte, hat der Art auch in der Gartenkultur längst einen prominenten Platz gesichert: Sehr gerne wird die Rote Spornblume als Zierpflanze für Stein- und Steppenanlagen verwendet, und während sommerliche Trockenheit anderen Blütenpflanzen mitunter rasch und erkennbar zusetzt, sieht man Hitzestress bei der Spornblume nur unter wirklich extremen Bedingungen.
Um die Vermehrung der Roten Spornblume muss man sich in der Regel auch nicht bemühen, das besorgt sie mittels Selbstaussaat. Es sei denn, es handelt sich um eine Gartenzüchtung wie die weiß blühende Sorte ’Alba’, die vegetativ (Stockteilung oder Stecklinge) vermehrt werden sollte, um die weiße Blütenfarbe zu erhalten.
Die in der Regel dunkel rosaroten und etwas duftenden Blüten stehen in dichten Trugdolden. Die einzelne Blüte besitzt eine doppelte Blütenhülle: ein kurzer Blütenkelch und eine 5 bis 11 Millimeter lange, dünne Kronröhre mit einem nach hinten gerichteten Sporn und einem einzelnen, aus der Krone ragenden Staubblatt.
Bestäubte Blüten bilden eine Schließfrucht mit federigem Haarbüschel und einem Samen.
Randnotiz
Aufgrund ähnlicher Inhaltsstoffe wie die des Arznei-Baldrians (Valeriana officinalis) wurde die Spornblume wurde früher auch pharmakologisch genutzt. Wegen des Verdachts möglicher Erbgut-Schädigungen findet das heute nicht mehr statt.
Aber die Rote Spornblume bietet auch so genug: eine auch in heißen, trockenen Zeiten verlässliche Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten und attraktive Blüten für uns Menschen.
Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.