Erd-Burzeldorn (Tribulus terrestris L.)
Dornige Pflanzen, wie sie besonders in trocken-heißen Gebieten vorkommen, sind vielfach gut zu erkennen, und man wird natürlich bestrebt sein, ihnen nicht zu nahe zu kommen. Schwieriger wird das schon, wenn es sich um eine kleine und fast unscheinbare Pflanze handelt, deren „Waffen“ nochmals weniger als die Pflanze insgesamt auffallen. Die Rede ist vom Erd-Burzeldorn (Tribulus terrestris L.), einer auch in Griechenland weit verbreiteten und äußerst wehrhaften Pflanze, die dennoch nur Wenigen bekannt sein dürfte.
Namen, die für sich sprechen
Obwohl es sich um ein kleines und in aller Regel übersehenes Gewächs handelt, wurde diese Pflanze im Lauf der Jahre zumindest in manchen Sprachen mit erstaunlich vielen Namen belegt. Und diese Namen spiegeln fast ausnahmslos sinnliche Erfahrungen der mitunter ziemlich nachhaltigen Art (…). So finden wir im deutschsprachigen Raum die Bezeichnungen Erd-Burzeldorn, Gemeiner oder Gewöhnlicher Burzeldorn, Erdsternchen und Erdstachelnuss. Im Angloamerikanischen heißt die Art Puncture Vine, Tackweed, Caltrop, Calthrops, Bullhead, Devil‘s Thorn, Goathead etc., während die Franzosen sie als Croix-de-Malte kennen, ein deutlicher Vergleich mit den spitzen Enden des Malteserkreuzes.
Im serbisch-kroatischen Sprachraum hat sich eine andere Assoziation durchgesetzt. So heißt die Pflanze in Kroatien bablji zub („Zahn der alten Frau“), abgeleitet von baba („alte Frau“, „Oma“) und zub („Zahn“). Vermutlich entstand der Begriff in der bäuerlichen Bevölkerung, die die stacheligen, knorrig-eckigen Samenkapseln der Pflanze mit den verbliebenen, oft spitzen oder schiefen Zahnstümpfen einer alten Frau verglich.
Die Ungarn wiederum belegen dieses kleine Pflänzchen mit dem ironisch-spöttischen Namen Királydinnye („Königsmelone“), während es in Indien, im Sanskrit, die Benennung Gokshura bzw. Gokharu gibt („Kuhhuf“ – dazu später mehr).
Winzige und weniger kleine Bestimmungsmerkmale
Der Erd-Burzeldorn gehört zu den Jochblattgewächsen (Zygophyllaceae), einer nicht allzu großen Pflanzenfamilie, deren Angehörige meist in mehr oder weniger trocken-heißen Gebieten vorkommen, gerne auch auf salzhaltigeren Böden.
Eines dieser Familienmitglieder ist unser Erd-Burzeldorn, die vielleicht am weitesten verbreitete Art in der Gattung der Burzeldorne, von denen weltweit je nach Autor ungefähr 15 bis 30 Arten unterschieden werden.
Ein bestimmtes botanisches Merkmal ist das Kennzeichen dieser Gattung, ein Merkmal, dessen Feststellung eine gewisse Liebe zum Detail voraussetzt: „falsche Scheidewände“. Was ist damit gemeint?
Der Fruchtknoten besteht bei den Tribulus-Arten ursprünglich aus fünf Fruchtblättern und daraus hervorgehend fünf Kammern, wodurch eine Kapselfrucht entsteht, die bei Reife in fünf harte Teilfrüchte zerfällt. Allerdings bilden sich in jeder dieser fünf Kammern durch nachträgliche Gewebewucherungen zusätzliche, quer liegende Trennwände, und damit eine weitere Unterteilung der Kammern. Und da nun in jeder dieser separaten Kammern ein einzelner Same reift, enthält eine Burzeldornfrucht insgesamt deutlich mehr als bloß fünf Samen. Das hat Folgen…
Um „unseren“ Erd-Burzeldorn sicher zu bestimmen genügt jedoch die Kombination einiger weitaus leichter erkennbarer Merkmale:
Es handelt sich zunächst um eine niederliegende einjährige bis zweijährige, krautige Pflanze mit einer tief reichenden Pfahlwurzel und über 100 cm langen Trieben. Insgesamt borstig behaart und dadurch etwas graugrün wirkend. Die Laubblätter sind gegenständig, paarig gefiedert mit 4-8 Paaren von eiförmigen bis elliptischen Blättchen. Die Blüten stehen achselständig an kurzen Stielen und sind fünfzählig, nur etwa 1-1,5 cm breit, mit doppelter Blütenhülle: ein grüner Kelch und gelbe Kronblätter.
Die besondere Fruchtform der Burzeldorne kennzeichnet natürlich auch den Erd-Burzeldorn: harte, dornige, höckerige und strohfarbene Spaltfrüchte, 0,7-1,5 cm im Durchmesser, die in 5 dornige Teilfrüchte zerfallend (seltener auch ohne Bedornung).
Nutznießer von Insekten und Huftieren
Wie bereits angedeutet wächst der Erd-Burzeldorn mit Vorliebe auf sandig-kiesigen, nährstoffarmen Böden in offener, vollsonniger Lage. Die Pflanze ist extrem trockenheitsresistent, weshalb Wegränder, Bahndämme, trockenes Weideland und Schuttflächen (Ruderalstellen) zu ihren hauptsächlichen Standorten zählen. Dort blüht sie nahezu das ganze Jahr über, vor allem von Mai bis September (Oktober), und wird von den unterschiedlichsten Insekten besucht und bestäubt.
Die Ausbreitung der Pflanze erfolgt vor allem über den Transport der noch vollständigen stacheligen Kapselfrüchte, die an Tieren haften bleiben und verschleppt werden, bevor sie zerfallen und die einzelnen Samen freigeben. Dabei spielen Huftiere eine überragende Rolle, denn die Früchte sind so hart, dass sie als „Trampelkletten“ gut in Hufe wild lebender wie domestizierter Tiere eingetreten werden können.
Ursprünglich war der Erd-Burzeldorn in den tropischen, subtropischen und warm-gemäßigten Regionen der Alten Welt heimisch und sowohl in vielen Teilen Asiens als auch in Ländern wie Portugal, Spanien, Italien, Bulgarien, Griechenland, der Türkei sowie auf den Mittelmeerinseln verbreitet. Durch unbeabsichtigte Einschleppung hat sich die Art inzwischen aber fast weltweit (kosmopolitisch) als Neophyt ausgebreitet und wird vielfach als invasive Art eingestuft.
Tückische Wehrhaftigkeit
Die harten, stacheligen Samen der Pflanze sind sehr schmerzhaft, wenn man darauf tritt. Sie können sogar Fahrradreifen durchstechen. In der asiatischen Ninja-Kampfkunst war es nicht unüblich, den giftigen Saft von Schöngift-Arten (Acokanthera spp.) oder anderen Pflanzen auf die dornigen Früchte des Burzeldorns zu streichen und diese dann auf den nächtlichen Pfad des Gegners zu streuen. Das Gift konnte durch die Fußsohlen und sogar durch dünne Sandalen in den Körper des Gegners eindringen und ihn unter Umständen töten.
Aber die Pflanze selbst enthält auch Inhaltsstoffe, die als nützlich angesehen werden. Die Früchte enthalten Tannin, ein Glykosid, ätherisches Öl sowie Linolsäure und Peroxidase.
In der ayurvedischen Medizin als Gokshura („Kuhhuf“) bekannt, bewirkt die Pflanze unter anderem eine Erhöhung des Testosteronspiegels, weshalb sie in einzelnen Regionen Asiens traditionell als Anabolikum und Aphrodisiakum verwendet wird.
Übrigens ist bemerkenswert, dass eine Pflanze, deren Früchte früher als „Tretminen“ eingesetzt wurden, heute von der westlichen Sportmedizin für Muskelaufbau-Präparate genutzt wird – obwohl wissenschaftliche Untersuchungen die erwarteten Effekte nicht belegen.
Ein gewisser Nutzen kann der Pflanze aber nicht abgesprochen werden: Die Blätter und jungen Austriebe von Tribulus terrestris können gegart gegessen werden, und auch ein aus den gemahlenen Früchten hergestelltes Mehl lässt sich in der Küche verwenden.
Diese und zahlreiche weitere Wildpflanzen stelle ich auch in meinem Buch „Wildpflanzen der Peloponnes" vor.